Vier Jahre sind seit Phelas traumhaften Debüt vergangen, vier Jahre in denen die wilde Räubertochter auf viele Arten erwachsen wurde: als Poetin und Musikerin, als Frau und nicht zuletzt als Mutter. Und doch ist sie sie selbst geblieben, es ist noch die gleiche Träumerin, deren Lieder auf „Wegweiser“ aufblühen. Phela sucht neue Wege, findet neue Sehnsuchtsorte und schenkt uns zeitlose, warme Popmelodien.

Wie findet man seine Stimme?

Den richtigen Klang, den einen Tonfall, diese speziellen Worte, die genau das ausdrücken, was man fühlt. Was man sagen will. Wer man ist. Vor allem, wenn man glaubt, seine Stimme verloren zu haben. „Ich hatte eine Schreibblockade. Mir fiel nichts ein“, gesteht Phela und man hört ihr an, wie erschreckend dieser Zustand war. Von allen Seiten gab es Erwartungen, doch sie brauchte dringend Zeit für sich. Die überwältigenden Erlebnisse und Eindrücke der letzten Jahre, die langen Touren, ob Solo oder als Support – sie lebte in einem neuen Modus und in einer völlig neuen Welt. Phela musste erst wieder lernen, in sich selbst hineinzuhören.

Doch eines Tages hat sie ihre Stimme wiedergefunden – in ihrer leeren Wohnung in Neukölln, in der nur noch ihr Klavier stand, da alle anderen Möbel und Kisten bereits auf dem Weg in ein neues Zuhause waren. Sie setzte sich, sie spielte. Und das erste Lied kam zu ihr. „Wegweiser“ heißt dieses Lied und genau ein solcher Wegweiser war es auch für sie.

Sie arbeiteten zusammen an den Liedern, die Phela in den Monaten zuvor geschrieben hatte, während sie einen einzigartigen Blick über die Insel genossen, auf Vulkane und eine wilde Landschaft. Abgesehen von Hundegebell in der Ferne gab es nur sie, Stille und Natur. „Wegweiser“ ist in seiner Direktheit deswegen regelrecht echt, rau und roh geworden, nichts ist auf perfekten Klang getrimmt, oder poliert, bis kein Leben mehr darin steckt, sondern im Gegenteil: Es sind Popmelodien, die noch immer so atmen wie in dem Augenblick, in dem sie eingespielt wurden. Weil man diesen Augenblick noch immer hören kann. Man nehme nur „Meine Familie“, ein Lied, bei dem es sogar das Gebell der Hunde in der Ferne auf die Aufnahmen geschafft hat. 

Obwohl es einerseits ganz klar die Stimme ist, die man von ihrem Debüt „Seite 24“ kennt, ist diese Stimme jetzt neu, anders: markant, ungeschliffen, gewillt, sich weder von außen formen zu lassen, noch sich anderen Vorstellungen zu beugen. Manchmal wirkt es, als würde sie beinahe brechen, würde in sich selbst abtauchen, weggespült von den Gefühlen in und hinter ihren Texten – doch dann ist sie wieder so stark, dass man sich von Phela einfach an die Hand nehmen, sich von ihrer Euphorie und Fantasie anstecken und verführen lassen möchte. 

„Wegweiser“ ist Phelas zweites Debüt. Denn seine Stimme zu suchen, ist ein Prozess, der niemals endet.

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